Plan zur Stärkung der Piratenpartei

Plan zur Stärkung der Piratenpartei

Die Piratenpartei begleitet mein Leben seit 2009. Die ersten zwei Jahre habe ich als stiller Teilhaber die Sitzungen der Crew JotWeeDee in Berlin Wedding protokoliert. Ab 2011 änderte sich meine Position, mit dem Mandat in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte, schlagartig. Für Parteiinternes war kaum noch Zeit. Seit Ende Juli konnte ich erstmals durchatmen und hatte Gelegenheit über die Piratenpartei nachzudenken. Im Fokus meiner Überlegung steht die offenkundig geschwächte Stellung der Partei und wie diese gestärkt werden kann.

Meine Gedanken, Ideen … ja, vielleicht schon Pläne habe ich in einer Präsentation manifestiert. Das Format meines Gedankenaustausches ist somit der Vortrag. Daher mahne ich zur Vorsicht, die Folien isoliert können somit teilweise nicht oder sogar falsch verstanden werden. Ihr könnt euch die Präsentation als pdf- oder PowerPoint-Datei herunterladen.

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Update: Meinen Vortrag habe ich online bei einer PIRATEN-Mumble-Sitzung gehalten. Hier die Aufzeichnung:

 

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Meinen Vortrag habe ich bereits einmal bei der Landesvorstandessitzung am 01.10.2017 gehalten. Im Folgenden gibt es meine Präsentation zum Anschauen inkl. weiterer Erläuterungen. Dieser Text ist nicht äquivalent zur Fühle eines Vortrags.

Los geht’s – Plan zur Stärkung der Piratenpartei. Über acht Stunden habe ich an der Präsentation getüftelt.

Die Gliederung: Im Prinzip besteht mein Vortrag aus drei Teile. Zuerst gibt es ein Intro in dem ich die gravierendsten Probleme der Piratenpartei aufzeige und wie früher mit wenig, dennoch viel erreicht wurde.

Im zweiten Teil erläutere ich meine Ideen zur Gewinnung von neuen Mitgliedern. Im dritten Teil zeige ich beispielhaft für den Bereich Social-Media wie Strukturen gebildet werden können.

Intro

Was meine ich überhaupt wenn ich von Plan spreche? Eine Idee ist für mich eine einfache Aussage mit Zielrichtung, hier in diesem Vortrag lautet eine Idee: „Wir brauchen neue junge Mitglieder für die Partei“. Eine Idee enthält keinen Lösungsansatz. Ein Plan enthält konzeptionelle Ansätze zur Verwirklichung einer Idee. Somit kann insbesondere in Teil 1 von einem Plan gesprochen werden.

Wo ist die Abgrenzung der Strategie? Ideen und Pläne sind zunächst rein geistliche Gebilde. Im Gegensatz hierzu formuliert die Strategie konkrete Lösungen, die auf eine tatsächliche Umsetzung abzielen. Die blaue Linie <in der Folie> zwischen Plan und Strategie bildet also die entscheidende Grenze, an der ein Plan auf Umsetzbarkeit geprüft wird. In einer Partei sind spätestens an dieser Grenze weitere Personen miteinzubeziehen.

Die Piratenpartei hat zwei große Probleme, bei denen selbst das beste Wahlprogramm nicht helfen kann.

Das erste große Problem sind die stark sinkenden Mitgliederzahlen.
In Berlin ist der Stand auf das Niveau von 2009 gesunken. Wobei 2009 mehr Piraten und Piratinnen real aktiv in der Partei waren als heute. Im Landesverband kennt jeder die Situation, dass seit Monaten nur die gleichen Gesichter zu sehen sind.

Wie in der Folie zu erkennen, gehen mit diesem Problem drei Symptome einher:

Wir haben zu wenige Helfer für Wahlkampf und Aktionen. Die verbleibenden Mitglieder schuften sich in dies bis zur Erschöpfung ab. Von Menschen die einer Arbeit nachgehen, Familie und Hobbys haben, kann dies nicht verlangt werden.

Mit jedem Austritt aus der Partei geht ein Kompetenzverlust einher. Dieser Verlust betrifft sowohl den strukturellen, als auch den politischen Bereich. So fehlen Fachleute für bestimmte Aufgaben in der Partei und politische Themen wie die Digitalisierung haben keine prägenden Persönlichkeiten mehr.

Das zweite große Problem ist die zu flache Struktur der Piratenpartei.
Hiermit meine ich speziell die Arbeitsstruktur und nicht die politische Struktur. Mit politischer Struktur ist das Gebilde gemeint, dass beispielsweise in der SPD dafür Sorge trägt, dass politische Meinungen der Basis die Parteispitze nicht erreichen, wie am Beispiel TTIP zu sehen ist.

Zurück zur Arbeitsstruktur … was in der Piratenpartei fehlt sind Verbindlichkeiten, so ist Niemand wirklich für etwas verantwortlich. Zwar gibt es Beauftragungen, diese haben aber mehr den Charakter eines Zugriffsrechtes z.B. Social-Media und weniger einer definierten Funktion mit Macht und Verantwortung.

Des Weiteren fehlen klar kommunizierte Prozeduren. Als Beispiel sei das Ausborgen von Partei-Utensilien aus der P9 erwähnt. In einem Ticket sollen Gegenstand und Person vermerkt werden um später eine Auffindbarkeit zu gewährleisten. Nicht selten wird ein Ticket aber nicht angelegt oder bei der Rückgabe nicht geschlossen. So entstehen unklare Situationen.

Da es keine Abteilungen gibt werden Mitglieder an Personen verwiesen ohne hier eine verbindliche Kontaktmöglichkeit zuhaben. Insbesondere 2011 fragten Neumitglieder nach einer Aufgabe (indirekt nach einer Identität) innerhalb der Partei, ohne Struktur fanden diese Mitglieder keine Anbindung.

Die Partei hat keine geeichte Kommunikationsinfrastruktur. Oft müssen Nachrichten über diverse Kanäle laufen um Mitglieder zu erreichen. Althergebrachte Strukturen mit sozialen Charakter wie das Crew-Prinzip haben nach 2013 einen Niedergang erlebt. Keimzellen der Verbindung und der Schaffenskraft lösen sich somit auf. Das Wiki ist als Datei-Container ungeeignet, zudem gibt es Zugangshemmnisse bei der Nutzung.

<Anmerkung: An solchen Textstellen wie diesen erkennt ihr sicher, warum ich einen Vortrag halte und nicht alles aufschreibe. Ich könnte leicht noch weitere Ausführungen darlegen.>

Alle Probleme der vorherigen Folien summieren sich am Beispiel Snapchat. So fehlen die Kompetenzen um ein entsprechendes Business-Profil adäquat betreiben zu können und die Geldmittel zum Bezahlen der Werbung sind auch knapp. Im Ergebnis bedeutet dies, dass die Partei keinen oder nur sehr mühevoll einen Snapchat-Account betreiben kann um Beispielsweise junge Zielgruppen direkt mit Werbung zu erreichen.

Die Probleme der Partei sind nicht neu, im Gegenteil sie bestehen seit der Gründung der PIRATEN. Früher konnten diese Knacknüsse mit viel Elan und Aktionismus überspielt werden. Ein Format das sich dieser Tugenden bedient und gleichzeitig besonders viel Aufmerksamkeit generiert ist die „Aktion“. Mit wenigen Mitteln kann Aufmerksamkeit zu politischen Themen und (besser) unsere Stellung bzw. Meinung zu diesen Themen geäußert werden. Daher bin ich dafür, das wir wieder mehr Aktionen machen.

Am besten gehen solche Aktionen mit jungen Mitgliedern.

Ein weiteres Format ist die themenbezogene Diffamierungskampagne. Mit Slogans wie „Zensursula“ konnten ganze Themen in einem Wort transportiert werden. In der Vergangenheit haben sich zahlreiche Gelegenheiten ergeben z.B. Alexander Dobrindt mit Pkw-Maut oder Dieselskandal. Wichtig ist hier die Kontinuität, da es sich ansonsten nicht um eine Kampagne handelt. Implizit bedarf es keiner Diffamierung, sofern es andere gute Ideen gibt.

Teil 1 – Mitglieder gewinnen

Die Folie ist relativ selbst erklärend. Viele junge Leute können mit dem Label Piratenpartei nichts anfangen und das ist in diesem Fall ein Vorteil. So gehen junge Erwachsene mit den Themen der Piratenpartei neugierig um und sind nicht durch Krisen voreingenommen. Auf der anderen Seite bieten wir jungen Leuten mit Themen wie eSport ein, aus ihrer Sicht, interessantes Programm.

Mit geringer politischer Identität meine ich die Zusammenhänge wie sie in diesem Terra X Lesch & Co YouTube-Video dargelegt sind.

Alles Schön und Gut, aber wie durchbrechen wir den Teufelskreis? Schließlich kommen die Mitglieder nicht von alleine!

Die einzige Stellschraube welche die Piratenpartei hat, ist eine verstärkte Präsenz zu erreichen. Dies kann unter anderem mit den vorher erwähnten Aktionen und Kampagnen erreicht werden.

Hier eine sehr spezielle Idee um junge Leute für die Piratenpartei zu sympathisieren. Die Folie ist aus dem Vortrag etwas herausgelöst und wird hier<!> nicht weiter erläutert.

Teil 2 – Strukturen schaffen

Mit Altlasten bereinigen sind insbesondere digitale Wracks wie Teile der Piraten-Wiki, openAntrag oder https://pirateninfo.de/ gemeint. Diese vermitteln einen falschen und zunehmend desolaten Zustand der Partei.

Neue Strukturen können bereits im Vorfeld überlegt werden um diese bei einen Mitgliedszuwachs mit Personal zu fühlen.

Als Beispiel für eine Struktur habe ich mir den Bereich Social-Media ausgewählt. Zum einem habe ich eine Beauftragung und bin somit direkt am Geschehen beteiligt. Weiter ist dieser Bereich für Jede und Jeden leicht nachvollziehbar und daher überprüfbar.

Folie: Hier läuft etwas kompliziert. Lieber einen Inhalt selbst posten anstatt über alle Ecken zu teilen. Zudem fehlt eine Aussage für den User und der Kontext zur Piratenpartei Berlin erschließt sich nicht.

Hier das Struktogramm der „Abteilung“ Facebook Piratenpartei Berlin. <Die schriftlichen Ausführungen würden an dieser Stelle jeden Rahmen sprengen. Bitte besucht den Vortrag> Das Wichtigste, das fehlt ist …

… das Wort Team. Zudem muss ein anderes Selbstverständnis gefunden werden. Weck von finden und teilen, hin zu erstellen und veröffentlichen.

Das soll an dieser Stelle reichen. Ende.

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