Trostfrauen-Statue: Ist die künstlerische Freiheit in Berlin Mitte in Gefahr?

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Deutschland hat Berlin und Berlin hat seine Bezirke. Seit 2011 habe ich im Bezirk Mitte ein Mandat als Kommunalpolitiker inne. Normalerweise dreht sich die Politik im Bezirk standesgemäß um die kleineren Dinge des Lebens. Diesen Oktober wurde es aber international. Die Japaner schimpfen über eine Statue in unserem Bezirk. Halt: Wenn du dir jetzt sagst „Na und?! Was hat das mit meinem Leben in Berlin zu tun?“, dann wirst du unten eine Überraschung erleben!

Vorab, ich habe auch ein YouTube Video über mir wichtig erscheinende Drucksachen der letzten Sitzung des Bezirksparlamentes der sogenannten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gemacht, in dem auch das Thema der Trostfrauen-Statue erwähnt wird.

Was aber nun war passiert?

Der Korea Verband hat Ende September in Berlin Moabit eine Statue aufgestellt, welche an die im zweiten Weltkrieg als „Trostfrauen“ vom japanischen Militär sexuell versklavten Frauen (und Mädchen) erinnern soll. Wenige Tage später soll die erst frisch für ein Jahr genehmigte Statue schon wieder weichen. Was genau passiert ist, weiß keiner genau. Die Beteiligten schweigen. Pressemeldungen aus Übersee lassen aber folgende Vermutung zu: Über diplomatische Beziehungen wurde dem Bezirksbürgermeister über dubiose Umwege nahegelegt, die Statue zu beseitigen. Fakt ist: Den Japanern gefällt die Statue nicht, diese würde die Geschichte in einem falschen Kontext darstellen und wäre nur eine Kampagne, um Japan schlecht zu machen. So zumindest wurde es an uns Kommunalpolitiker seitens des Abgeordneten Minoru Kiuchi in einer YouTube-Botschaft und einiger japanischer Bürgerbriefe erklärt. Die Briefe kannst du dir hier herunterladen. Der Korea Verband hat Klage gegen das Entfernen der Statue eingereicht. Momentan (Stand: 07.11.2020) wird das Thema vor Gericht behandelt.

Genauere Informationen zur Statue findest du auf der Website des Verbands. Neben zahlreichen Presseartikeln informiert das Ostasiatische Institut der Universität Leipzig in diesem Beitrag sehr gut über die Trostrauen-Thematik.

Was hat Alex in der BVV gemacht?

Ich bin eigentlich ein großer Japan-Fan, so bin ich mit Animes aufgewachsen, sehe gerne Dokus über Japan und mir gefällt der Mythos, welcher die Samurai umgibt. Dennoch musste ich in diesem Fall zur politischen Unterstützung mit meinem Kameraden eine Entschließung (hier der Text der DS 2721/V) in die BVV einbringen. Kurz gesagt: Wir finden die Statue ist eine großartige Sache und deshalb sollte diese für den beantragten Zeitraum stehen bleiben. Die Entschließung wurde von der BVV angenommen. Hierzu gibt es auch einen informativen Taz Artikel. Meiner Meinung nach haben sich die Japaner mit der Forderung nach Beseitigung ein Eigentor geschossen. Ohne die so entstandenen Presseaufmerksamkeit wäre das Thema nie so hochgekocht.

Was hat das mit dir zu tun?

Die BVV hat neben der Entschließung den Antrag „Beteiligung der BVV ist richtig – und stets der bessere Weg“ mehrheitlich Beschlossen (es gab nur eine Gegenstimme: Meine!). In dem Text wird gefordert das Beantragungen zu Kunstobjekten im öffentlichen Raum, neben der Kommission Kunst im Stadtraum (KiSt) zukünftig auch [Zitat] „in die BVV/den zuständigen Fachausschuss eingebracht werden“. Meiner Meinung nach wird somit die künstlerische Freiheit im Bezirk beschnitten. Neben den gut funktionierenden Standardkriterien (z. B. Keine NS-Ethologie) müsste Kunst somit der BVV gefällig sein. So verlautbarte die SPD in der Sitzung der BVV auch, dass durch die Trostfrauen-Statue womöglich die Städtepartnerschaft zwischen Mitte und der japanischen Kommune Shinjuku in Gefahr sein könnte. Hier müsse man doch ein Wort mitreden dürfen, so der Tenor. Meine Meinung hierzu:

Kunst hat nicht den Anspruch jedem gefallen zu müssen. Manchmal muss diese sogar anstoßen. Die künstlerische Freiheit ist ein hohes Gut, dass wir nicht leichtfertig bei kleinsten Widrigkeiten über Bord werfen sollten.

Sollten die Japaner und wegen der hier praktizierten Kunstfreiheit die Städtepartnerschaft aufkündigen wollen, dann Frage ich mich, ob diese Freundschaft je wirklich etwas Wert war. Denn wahre Freundschaft zerbricht nicht gleich bei kleinen Streitigkeiten. Überhaupt bildlich gesprochen: Wenn du einen guten Freund hast würdest du nicht wollen das er dich darauf hinweist, dass du z. B. Mundgeruch hast? (Die meisten Leute sagen einen das ja nicht!)

1 Kommentar

  1. Japanese soldiers might have committed several brutal crimes during WW2. However, those were sporadic and individual crimes. American official report (IWG Report No.49) has enough information to convince you that the Koreans’ insistence that as many as 200,000 women were taken away and forced to be sexual slaves is completely wrong.
    The comfort statue in Berlin and other comfort states in the US have been built only to humiliate and denounce Japan by Koreans.
    There are no descriptions by the statues that refer to rapes by Russian soldiers in Germany, rapes by American soldiers in France and Japan, and rapes Lai Daihan by Korean soldiers in Vietnam. The content of current descriptions is so one-sided.
    If the purpose of the comfort woman statue is to express deep regret for wrongdoings to women, atrocities by counties other than Japan should be also described by the statue.

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